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Schelling: Genie der Naturphilosophie

Warum liebte Goethe das Wunderkind Schelling? Was ist Naturphilosophie? Warum ist sie aktuell?

VORSPANN
Am 14. November 1841, also genau vor 180 Jahren, hat der Philosoph Schelling in Berlin seine Antrittsvorlesung gehalten. Anwesend waren in einem brechend vollen Hörsaal auch Friedrich Engels, Soren Kierkegaard und der Anarchist Bakunin. Berufen wurde er von Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, nach Berlin, und zwar um der "Drachensaat des Hegelianismus" Einhalt zu gebieten. 180 Jahre später soll einer weitere Berufung zur Austreibung der "Drachensaat" des Transhumanismus folgen. Die Grundlage dieser Austreibung liegt in der Betrachtung von Schellings genialer Naturphilosophie, die zugleich eine Einführung in die Naturphilosophie überhaupt sein soll, was ihre Grundprinzipien sind und wie sie sich von der abstrakten Naturwissenschaft unterscheidet.

THEMEN:
Warum nennst du Schelling ein Genie? Warum wird er verkannt? 01:27
Schellings Genialität liegt in den Fragmenten und liegt in seinem Werk verstreut, es muss geborgen werden 3:40
Der biografische Hintergrund des Wunderkinds Schelling und der geistesgeschichtliche Kontext seines Wirkens (Kant: "Kritik der reinen Vernunft, Fichte: "Wissenschaftslehre", das Ich setzt sich selbst in einer Sphäre jenseits von Raum und Zeit) 5:24
Schelling ist zunächst Schüler von Fichte und grenzt sich ab 1797 ab und entwickelt dann die Naturphilosophie in Fragmenten, setzt immer wieder neu an, eine Hauptschrift gibt es nicht 12:12
Kehrtwende Schellings mit der Entdeckung von Jakob Böhme durch Franz von Baader und nach dem Tod Carolines Schellings 1809 14:00
Schelling war sehr polemisch 15:20
Schellings Scheitern an der Berliner Universität 16:20

Die Naturphilosophie (1797-1806)
Professur in Jena vermittelt durch Goethe im Alter von 24 Jahren 18:00
Was ist Naturphilosophie? 20:30
Schellings Kritik an Fichte und dem toten ökonomisch-teleologischen (nutzerorientiertem) Naturverständnis 21:40
Schellings Kritik am Rationalismus: er enthält die Natur gar nicht (Kant, Spinoza) 24:20
Begeisterung für Giordano Bruno "Von der Ursache dem Prinzip und dem Einen" vermittelt durch eine Streitschrift Jacobis gegen den Spinozismus als Atheismus von 1789 24:20

I Real-Idealismus 26:10
Die Natur als Selbstoffenbarung des Geistes
Die Verbindung des Realen und des Idealen ist Schellings Lösungsansatz für die Leib-Seele-Spaltung, die spätestens seit Descartes in die Philosophie eingetreten ist: mechanistische Materie, formalistische, inhaltleere Ratio
Vordenker: Verstand-Wille-Identität bei Spinoza
II Erkenntnistheorie 30:20
Wie hängt der Geist mit der Materie zusammen?
Wir können nur erkennen, weil etwas in der Natur erkannt werden will
In der Natur finden wir die Geschichte unseres Geistes wieder
Die Natur ist der sichtbare Geist, der Geist die unsichtbare Natur
Das System der Natur ist zugleich das System unseres Geistes (vgl. Empedokles)
III Metamorphose 38:50
Einflüsse: Erasmus Darwin, Kielmeier
"Philosophie wird genetisch"
Natur als lebendiger Prozess
IV 10 Thesen zur Naturphilosophie 41:30
1. Weltorganismus, Weltseele
2. Panentheismus, Selbstoffenbarung Gottes
3. Einheit von Subjekt und Objekt und Einheit aller physikalischer Kräfte und des organischen Lebens (Schelling als der Begründer des Elektromagnetismus, Kritik an der Mathematik als Selbstzweck)
4. Dialektisches Werden aus Polarität und Steigerung
5. Welt ist selbstbejahender Wille
6. Universum als göttliches Kunstwerk, Einheit von Schönheit und Wahrheit
7. Schöpfung ist ein fortwährender Prozess, kein einmaliger Akt
8. Die Welt der Erscheinungen ist halb-real.
9. Die Totalität des Universum ist die Einheit in der Unendlichkeit und die Unendlichkeit in der Einheit. Licht und Schwere
10. Sinn des Weltprozesses ist die Rückkehr des Endlichen in das Absolute
IV Licht und Schwere
Starke Beeinflussung durch Franz von Baader: subtile Äthertheorie
Kritik an der Massenanziehung
"Jedes Ding gravitiert unmittelbar nur gegen das schlechthin Eine, die unendliche Substanz" (Urfeld)
V Anorganisches und Organisches
Das Leben tritt von selbst hervor aus einer Auflockerung der Materie und liegt in dieser präformiert
Alle Gestirne sind potentielle Lebensträger
Schlussworte zur "Drachensaat" des Transhumanismus

QUELLEN:
Jochen Kirchhoff, Schelling, Reinbek bei Hamburg 1982

Philosophische Gespräche mit Jochen Kirchhoff Episode 32 vom 14.November 2021 (5782) mit Gwendolin Walter-Kirchhoff.

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